Donnerstag, 9. November 2017

Ein Ausflug ins historische München: "Das Haus der schönen Dinge" von Heidi Rehn

Quelle: Droemer Knaur
Mit München verbindet mich nicht viel. Wenn ich genauer darüber nachdenke, sogar gar nichts. Allerdings hat mich nicht der Spielort der Handlung zum Kauf des Buches gebracht, sondern Cover und Klappentext. Ich hatte mal wieder Lust auf einen historischen Roman. Als ich gesehen habe, dass "Das Haus der schönen Dinge" 1897 beginnt und sich die Familiengeschichte bis in die 1950er Jahre zieht, war ich überzeugt. Denn wir befinden uns hier inmitten der für mich spannensten Zeiten der deutschen Geschichte - der Kaiserzeit, der Weimarer Republik, dem NS-Staat und der beginnenden Deutsch-Deutschen-Geschichte. Und da es sich bei den Protagonisten um eine jüdische Familie handelt, kann man sich gewisser Spannungen gewiss sein.

Das Buch ist bei Droemer Knaur erschienen und sowohl als Taschenbuch als auch als eBook erhältlich. Beide Ausgaben kosten ca. 10€. Weitere Infos gibt's auf der Verlagsseite.


Darum geht es:

"Als der jüdsiche Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayrischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Zwar begegnet seine Frau Thea Jacobs Enthusiasmus mit einer gewissen Skepsis, doch der Erfolg des Kaufhauses belehrt sie eines Besseren. 
Tochter Lily übernimmt das Kaufhaus am Münchner Rindermarkt in den goldenen 20ern und wähnt sich am Ziel aller Wünsche. Eine glückliche Zukunft scheint auf die Familie zu warten, doch als die Nazis die Macht ergreifen, müssen die Hirschvogls erleben, wie sich Bayern und München, das für sie stets Heimat war, plötzlich gegen sie wendet..."

So hat es mir gefallen:

Mit der Familie Hirschvogl lernt der Leser eine bereits gut situierte Münchner Familie kennen. Sie besteht aus den Eheleuten Jacob und Thea, Jacobsmutter Rhea, sowie den Geschwistern Benno, Lily und Sepp. Alle haben ihre eigene Probleme. Rhea hat Probleme damit, dass sich Jacob und Thea als vollwertige Münchner sehen und darüber zunehmend ihren jüdischen Glauben vergessen, während diese stets um ihr Lebenswerk, das Kaufhaus, bangen. Während Lily zunächst noch Probleme eines typischen Teenagers aufweist, hütet Benno bereits ein viel größeres Geheimnis. Sepp hingegen ist das Sorgenkind aller, da er häufig erkrankt ist. Im Laufe des Buches ändern sich die Probleme der Charaktere ein wenig. Stets im Mittelpunkt befindet sich jedoch immer das Kaufhaus.

Heidi Rehn gelingt dabei ein Kaufhaus zu erschaffen, dass es in dieser Form nicht gegeben hat, deren Vorbilder aber eindeutig in der europäischen Geschichte zu finden sind. Das Kaufhaus wurde lebendig vor meinen Augen, ohne dass es irgendwlche Bilder (bis auf das Cover) gab. Manchmal hatte ich sogar selbst das Gefühl durch das Kaufhaus zu schlendern, die präsentierten Waren zu begutachten und die Kostabrkeiten zu bewundern. Gegen Ende des Buches hatte ich das Kaufhaus mindestens genauso in mein Herz geschlossen wie die Personen, die mit ihm verwoben waren.

Das Buch hat alles, was es braucht - Liebe, Spannung, Reibungen, Angst, Trauer, Verzweiflung. An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir ein bisschen mehr Fokus auf die Protagonisten gewünscht und das teilweise nicht ganz so große Zeitsprünge stattfinden. Ansonsten war "Das Haus der schönen Dinge" aber sehr gut geschrieben, was mir nicht zuletzt eine Vorstellungskraft ermöglichte, sondern mich auch mitfühlen ließ. Auch wenn ich mir teilweise kleinere Zeitsprünge gewünscht habe, so waren diese jedoch geschickt gewählt.

Fazit:

Ich war am Ende doch sehr positiv überrascht, wie sehr ich mich die Geschichte rund um das Kaufhaus gepackt hat. Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten.

Kleiner Extratipp: Heidi Rehn lebt selbst in München und veranstaltet Spaziergänge auf den Spuren ihrer Bücher. Alle weiteren Informationen erhaltet ihr auf der Seite der Autorin.

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