Montag, 26. März 2018

Blogtour zu "Die Sprache des Schmerzes" von Leonie Haubrich: Buchvorstellung und XXL-Leseprobe

Heute beginnt die Blogtour zu Leonie Haubrichs neuem Thriller "Die Sprache des Schmerzes" bei mir! Ich darf euch das Buch vorstellen und außerdem gibt es eine XXL-Leseprobe für euch. In den nächsten Tagen folgen dann weitere tolle Beiträge rund um die Neuerscheinung auf anderen Blogs (diese werde ich euch nach und nach verlinken) und zum Abschluss gibt es ein Gewinnspiel mit einem Hammerpreis! Dabei bleiben und die Tour verfolgen lohnt sich also!

In "Die Sprache des Schmerzes" trifft man Liz, die Protagonistin aus "Was du nicht siehst" (hier findet ihr meine Rezi) wieder. Es ist der zweite Band rund um die Kinder- und Jugendpsychologin, aber man kann beide Teile völlig unabhängig voneinander lesen.

Das Buch erscheint heute und ist als ebook zum Einführungspreis für nur 1,99 Euro (statt 3,99 Euro) auf allen Buchdealer-Seiten erhältlich. Schnell zugreifen lohnt sich also! Alle Infos rund um das Buch und die Autorin findet ihr auf der Autorenseite von Leonie Haubrich/Heike Fröhling.


Worum geht's?


Ein Fehlurteil, eine Entführung, ein Psychoduell – und ein Kampf um Gerechtigkeit, der in unfassbare Abgründe führt.
Thomas Juchmann kann aus dem Maßregelvollzug fliehen. Dabei ist er nur von einem Gedanken getrieben: die Konfrontation mit dem Gutachter, der dafür verantwortlich ist, dass Thomas für einen Mord verurteilt wurde, den er nie begangen hat. Elf Jahre lang saß er in der Psychiatrie.
Doch das Vorhaben gestaltet sich schwieriger als geplant. Bald muss sich Thomas fragen: Gibt es für ihn eine Grenze, die er nicht überschreitet, um sein Ziel durchzusetzen? Ist er wirklich besser als der Gewalttäter, für den ihn alle halten?

Ein dramatischer Psychothriller, in dem aus Jägern Gejagte werden und umgekehrt, in dem Schuld und Unschuld verschwimmen. (Quelle: auf-lose-blaetter.de)



Wen trifft die Schuld?


Gleich vorweg: Die Thriller von Leonie Haubrich sind alle auf ihre Art heftig. Nicht, weil es so viel Blut gibt, sondern weil sie beim Leser immer Gänsehaut aufgrund der Handlungen der Personen verursachen. "Die Sprache des Schmerzes" ist aber nochmal einen Tick heftiger. Und das hat folgenden Grund: Neben den Protagonisten Liz und Christopher und dem zu unrecht verurteilten Thomas spielt auch Jan, ein Grundschüler, eine wichtige Rolle. Obwohl er noch so jung ist, und man eigentlich denkt, dass kleine Kinder total süß sind, hat er ziemlich erschreckende Gedanken. Gerade beim Lesen seiner Passagen ist mir die Luft weggeblieben - ich dachte immer, das kann ein Kind doch nicht denken! Und als mir die Autorin dann auch noch verraten hat, dass es für Jan eine reale Vorlage gibt... einfach erschreckend und traurig zugleich.

Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die vier Hauptpersonen haben eigene Kapitel, sodass man genau mitverfolgen kann, was sie denken und fühlen. Dadurch kann man sich intensiver hineinversetzen, als würde man nur die Handlung verfolgen. Überhaupt steht die Gedankenwelt der Protagonisten im Vordergrund. Die Autorin hält sich nicht lange damit auf, Handlungsstränge in die Länge zu ziehen, sondern bringt diese schnell auf den Punkt. Wichtiger sind wirklich die Beweggründe, warum eine Person tut, was sie tut. Dadurch geht der Thriller sehr tief - was für mich vor allem die Spannung ausmacht. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt und man den unterschiedlichen Perspektiven gut folgen kann, ist jedes Kapitel mit dem Namen der handelnden Person überschrieben. Das finde ich immer sehr hilfreich.

Sehr gut gewählt ist auch der Plot. Denn über Fehlurteile, gerade im psychiatrischen Bereich, wird wenig gesprochen und geschrieben. Deshalb ist es auch schwer, Thomas, den "Bösen", zu hassen. Auch wenn er hier eindeutig Dinge tut, die man in der Gesellschaft zu recht verurteilt, zeigt es doch, wie wenig man dagegen tun kann, wenn man einmal einen offiziellen "Stempel" aufgedrückt bekommen hat. Er verbringt Jahre in der Psychiatrie und wird gezwungen Medikamente zu nehmen, obwohl er unschuldig ist und ohne Chance auf Rehabilitation. Im Endeffekt wird er dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, aber es bleibt doch die Frage im Raum: "Was wäre gewesen, wenn...?" Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

Der mir am wenigsten sympathischste Charakter in diesem Buch ist eindeutig Christopher, und dass, obwohl er nur seinen Job macht. Aber vor allem in Bezug auf Liz, die mir schon in "Was du nicht siehst" richtig ans Herz gewachsen ist, verhält er sich wie ein Macho, der alles besser weiß. Die Beziehung zwischen den beiden, die am Ende zu sein scheint, nimmt viel Raum ein, wird aber perfekt in den Plot eingebunden. Es verdeutlicht noch mehr die Stärke Liz', nämlich das zu tun, was ihr wichtig ist und natürlich ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Der Schreibstil ist sehr direkt, beschönigt nichts und treibt dadurch die Handlung schnell voran. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil die Spannung permanent gesteigert wird. Das eher rationale Erzählen steht in einem guten Gegensatz zu den Emotionen der Protagonisten. Das hat mir sehr gut gefallen.

Insgesamt hat mich der Thriller sehr gut gefallen, da die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und man nicht auf den ersten Blick sagen kann, auf welcher Seite man steht. Das Schwarz-Weiß-Denken wird hier aufgebrochen und es fällt schwer, sich ein Urteil über die einzelnen Personen zu bilden, da man teilweise Verständnis für ihre - wenn auch brutalen oder falschen - Handlungen aufbringen kann.

Von mir gibt es 5 Sterne! Ich hoffe, es wird noch ein Buch rund um Liz geben!


Lust, das Buch zu lesen? Dann gibt es hier eine XXL-Leseprobe aus Sicht von Christopher (den ich ja nicht so gut leiden konnte...)


XXL-Leseprobe: Kapitel 3 - Christopher


Keine Patienten warteten mehr. Alles, was getan werden musste an diesem Tag, war bereits getan. Trotzdem verharrte Christopher an seinem Schreibtisch. Die SMS, die ihn wegen Thomas Juchmanns Ausbruch aus dem Maßregelvollzug erreicht hatte, ging ihm nicht aus dem Kopf.
Er fuhr noch einmal den Computer hoch und öffnete die Datei mit dem Gutachten, das er für den Gerichtsprozess verfasst hatte.
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass von Thomas Juchmann auch in Zukunft ähnliche Taten nicht auszuschließen sind.
Christopher hatte es damals vorsichtig formuliert, obwohl er sicher war, dass Juchmann noch zu ganz anderen Verbrechen fähig gewesen wäre, bei seinem Lächeln, mit dem er auf extreme Gewaltdarstellungen reagierte. Der Rorschachtest mit seinen Tintenklecksbildern, der wissenschaftlich umstritten war, war für Christopher in diesem Fall ein unverzichtbares Hilfsmittel gewesen. Dass dieser Test bereits über hundert Jahre lang Anwendung fand, brachte einen großen Erfahrungsschatz für die Auswertung mit sich. Sicher, damit erhielt niemand definitive Aussagen, aber es war wie ein Pendel, das in die eine oder die entgegengesetzte Richtung zeigte. Und bei Juchmann war es eindeutig gewesen.
Der Test hatte Christophers ersten Eindruck bestätigt: Wie Juchmann fixierte! Wie ein Krokodil, ohne ein Blinzeln, kalt. Ein Raubtier, das andere in seiner Gegenwart frieren ließ. Das anderen Schaden zufügte, ohne zu zögern.
Christophers Unterbewusstes erkannte so etwas inzwischen sofort und reagierte darauf mit einer Gänsehaut. Auch der Rorschachtest hatte damals in die Richtung gewiesen. Eine tote, verrottete Blume sah Juchmann. Einen verwesten Falter. Verbrannte Felder. Welche Assoziationen Juchmann auch produzierte beim Anblick der Bilder – sie waren alle geprägt von Tod, Plünderung, Zerstörung, Gewalt, Hass.
Das folgende Gespräch war genauso aufschlussreich gewesen: Seine Frau, die ihn daran hinderte, sein Leben so zu leben, wie er es wollte. Der Chef, der zu schlecht bezahlte. Er selbst, dem mehr Geld und Anerkennung gebührten. Der sich Tausende von Freunden und Bekannten lieh, obwohl er nicht vorhatte, das Geld jemals zurückzuzahlen. Das fehlende innere Stoppsignal, anderen Leid und Schmerz zuzufügen. »Es steht mir zu«, das sagte er elf Mal, Christopher hatte mitgezählt und eine Strichliste geführt. Alle anderen waren »Loser und Schlappschwänze«, so Juchmanns Worte, die nur verdient hatten, dass er sich nahm, was ihm »zustand«. Dann der Stolz, etwas zu bekommen, obwohl es nicht auf eigener Anstrengung und Leistung basierte. Seine Opfer, die Schwachen, Hilfsbereiten, Netten, erkannte er auf den ersten Blick, wie jeder Wolf in einer Herde von Huftieren genau das Tier ausmacht, das ihm als Beute dienen wird. Juchmann gehörte zu den Personen, über die in Zeitungen mit einem Grusel berichtet wurde, von denen Regisseure und Drehbuchautoren fasziniert waren und das Leben verfilmten, wenn vorher nicht jemand kam und dem Treiben Einhalt gebot. Und dieser Jemand war damals Christopher gewesen. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, genau solche Menschen wie Juchmann zu enttarnen, sie daran zu hindern, ihre Umwelt mit weiterem Leid zu überziehen, die sich versteckten hinter ihren Aktentaschen, ihren Kindern, Frauen und anderen Accessoires einer bürgerlichen Fassade.
Das war noch immer Christophers Alltag, seine Arbeit mit Menschen, die etwas getan hatten, was für andere unvorstellbar blieb. Gewalt, Aggression, Brutalität, die sich oft mischte mit psychischen Auffälligkeiten, tragischen Biografien, Entwurzelung. All das führte zu dem Willen, andere zu vernichten, manchmal eine bestimmte Person, manchmal einfach nur irgendjemanden, der gerade vorbeikam. Ja, es existierte, was Christen mit dem »Teufel« bezeichneten, das Böse, das Zerstörerische. Doch es war nicht außerhalb, sondern in den Menschen selbst angelegt, oft so tief verborgen, dass es nie zu sehen war, in anderen Fällen so offensichtlich, dass es einem entgegenschrie. Nicht alle waren voller Emotionen, sie wirkten nicht wie jemand, der unter einem inneren Druck stand, sondern viel auffälliger war ihre scheinbare Ungerührtheit, die Gleichgültigkeit. Eiskönige waren es, eingefroren, auch in ihren Gesichtszügen. Juchmann ließ seine Wut nach draußen, versteckte nichts. Selbst vor Gericht hatte er kein Geheimnis aus seinen Plänen gemacht.
Noch immer hatte Christopher Juchmanns wutverzerrtes Gesicht bei der Urteilsverkündung in Erinnerung. Juchmanns Augen hatten gewirkt, als träten sie aus den Höhlen hervor, die Zähne gebleckt wie ein Raubtier. »Ich kriege dich. Ich mach dich fertig«, hatte er gesagt mit Blick zu Christopher.
Ja, Christopher kannte die Wutausbrüche, die sich gegen ihn als Gutachter richteten, logisch betrachtet waren sie leicht zu entkräften und Taten waren daraufhin kaum zu erwarten. Doch die Logik war das eine, sein Körper sprach etwas anderes. Wenn er die SMS las, bekam er auch heute noch eine Gänsehaut. Er blieb wie gelähmt in seiner Praxis sitzen, anstatt nach Hause zu fahren.
Christopher löschte die SMS, stand auf, nahm seine Jacke. Ja, er hatte Angst. Nie hatten ihn Vorahnungen so sehr aus der Bahn geworfen. An seiner Furcht und den Ahnungen konnte er nichts ändern, das Gehirn produziert Bilder ohne unser Zutun, es ist die Natur des Geistes. Doch wir sind diejenigen, die bestimmen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, ob sich Gedanken festsetzen und aufgehen wie eine gut angelegte Saat oder ob sie wieder vergehen. Ja, er fürchtete sich. Aber eins schwor er sich: Er würde sein Handeln niemals von der Furcht bestimmen lassen.

Na, neugierig geworden? 
Hier geht's zum Buch: Die Sprache des Schmerzes

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Ich würde mich freuen, wenn ihr die Blogtour weiterverfolgt und falls ihr das Buch schon kennt - oder andere Thriller von Leonie Haubrich - freue ich mich natürlich auf eure Meinungen in den Kommentaren :)

Eure

4 Kommentare:

  1. Die ausführliche Darstellung gefällt mir sehr gut, ich habe auf meinen Blog Omas Krimis verlinkt. Ich schätze Leonie sehr.

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  2. Huhu, ich habe über Frau Krimi und Keks und die Blogtour hierher gefunden - hört sich interessant an, definitiv - allerdings mag ich es nicht so blutig/grausam - nur spannend geht aber. Meinst Du, das ist dann was für mich?

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    1. Hm, im Endeffekt ist es eher psychologisch als körperlich "grausam". Wenn dir das nicht so viel ausmacht, dann auf jeden Fall. Es wird jetzt niemand zerstückelt oder brutal ermordet oder so...
      Ich würde es mal ausprobieren!
      Liebe Grüße
      Jasmin

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  3. Hallo Janine.
    Danke für den tollen Auftakt.
    Ich freu much auf alles weitere. Tollen Tag.
    Liebste Grüße Daniela

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