Donnerstag, 27. April 2017

Eine Jugend in Berlin: "Sonne und Beton" von Felix Lobrecht

Felix Lobrecht vereint zwei Sachen: Humor und die Berliner Schnauze. Ich komme aus dem weiteren Berliner Umland und lebe seit 6,5 Jahren in Thüringen. Mein Dialekt ist nach wie vor der Berliner Dialekt, obwohl ich inzwischen bei manchen Worten so spreche, wie die Menschen hier um mich herum. Und obwohl uns diese dialektalische Gemeinsamkeit verbindet, ist das nicht alles, was mich auf Felix aufmerksam gemacht hat. Neben seinen wahnsinnig schönen Augen, besticht er vor allem durch seinen Humor, der mir sehr gut gefällt. Im Februar hatte ich das Glück ihn in Leipzig live zu sehen. Ich habe Tränen gelacht. Wer sich von seinem humoristischen Können überzeugen will, der sollte einfach mal YouTube seinen Namen eingeben. Denn in diesem Beitrag soll es um etwas anderes gehen, nämlich um "Sonne und Beton", sein im März erschienenes Buch.



Darum geht es:

"Könn' wa die Scheiße vielleicht ma leiser machen? Mann ey...", motzt ein Typ vor uns im Bus. Julius macht die Musik auf seinem Handy noch lauter und starrt den Typen an. Gino und ich fangen an zu lachen. "Ihr sollt die Scheiße ausmachen, hab ick jesagt!", sagt der Typ und guckt böse. Sanchez steht grinsend auf. "Sie haben nicht das Recht, mich 'Neger' zu nennen, Sir!", ruft er plötzlich. Wir sind mitten in Neukölln, außer Julius und mit sitzen nur Ausländer im Bus. Alle drehen sich um und glotzen den Mann an. "Ick habe nicht...", stammelt er. "Iiieh, richtiger Nazi!", ruft Gino. "Der Einzige, der hier 'Neger' sagt, bin ick, Nigga!", brüllt Sanchez. Er nimmt einen großen Schluck orangefarbene Mische und verzieht das esicht. Julius macht dasselbe Lied nochmal an, Der Mann steigt an der nächsten Haltestelle kopfschüttelnd aus. "Heil Hitler!", brüllt Julius und nimmt Sanchez die Flasche aus der Hand.
Ein heißer Sommer. Vier Jungs in den Hochhausschluchten der Großstadt. Eine folgenschwere Entscheidung.

So hat es mir gefallen:

Anders als man vielleicht denkt, ist dieses Buch kein Humoristisches. Spätestens nach dem Lesen des Klappentextes sollte dies jedem Leser klar sein. Es ist kein Geheimnis, dass Felix wie sein Protagonist Lukas in Gropiusstadt aufgewachsen ist. Man kann also davon ausgehen, dass Vieles nicht Lobrechts reiner Fantasie entspringt.

Mit Lukas haben wir einen Protagonisten, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er sich selbst noch nicht so richtig gefunden hat. Er weiß, was richtig und was falsch ist, lässt sich dann aber doch von seinen Freunden in beschissene Aktionen reinziehen. Ich finde dies äußerst passend, denn zum einen verdeutlicht dies meiner Meinung nach die Unentschlossenheit, die an als Jugendlicher durchaus verspürt. Zum anderen wird hiermit die Perspektivlosgkeit der Jugendlichen in Gropiusstadt verdeutlicht. Selbst wenn sie das machen, was eigentlich richtig wäre, ändert sich nichts an ihrer Situation.

Der Roman gibt daher einen tiefene Einblick in das Leben der Jugendlichen. Über die Nebencharaktere werden andere Themen angesprochen, wie beispielsweise häusliche Gewalt. Man könnte hier jetzt behaupten Lobrecht würde nur eine Klischeekeule schwingen. Ich hatte jedoch an keiner Stelle das Gefühl, ihr würden stupide irgendwelche Klischees bedient.

Was dem Roman leider fehlt ist ein solider Spannungsbogen. Die Geschichte plätschert vor sich hin, hat hier und da mal sehr spannende Elemente. Zum Ende hin wurde es für mich dann spannender. Dafür überzeugte mich aber die Sprache. Damit meine ich nicht nur den Dialekt, der ein richtiges Berlin Feeling aufkommen lässt, sondern auch die sprachliche Gestaltung und den Schreibstil.

Fazit:

Insgesamt ist das Buch unterhaltsam und gibt Einblick in eine Welt, die zumindest mir völlig fremd ist. Ich vergebe 4 von 5 Punkten.

Eure Caro

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