Samstag, 3. September 2016

Vergangenheit trifft Gegenwart in "Klipp Klapp und du bist tot" von Mari März

Auf die Autorin Mari März und ihre Bücher bin ich über Facebook aufmerksam geworden. Sie ist Selfpublisherin, schreibt Fantasy-Bücher und hat jetzt ihren ersten Krimi veröffentlicht.

"Klipp Klapp und du bist tot" ist ein Regionalkrimi, der im Raum Berlin/Brandenburg spielt.
Das Buch ist momentan zum Schnäppchenpreis von 0,99 € erhältlich - für die Mobi-Leser auf amazon, für die epub-Leser bei allen anderen ebook-Shops, zum Beispiel bei ebook.de.

Eine Leseprobe des Buches findet ihr direkt auf der Autorenseite.



Worum geht's?


"Unglücklich aus ihrer Heimatstadt Berlin in die Brandenburger Einöde versetzt, beginnt für Kriminalkommissarin Elisabeth Schwintowsky ein neues Leben. Ihre Schussverletzung war verheilt. Die Narben blieben. Ihre Seele wurde in Stücke gerissen … damals, bei ihrem letzten Einsatz. Ein Jahr war es her. Es gab Zeiten, in denen sie alles hinschmeißen wollte. Doch Lisbeth liebt ihren Beruf und arbeitet gern bei der „Müllabfuhr der Gesellschaft“.

Kurz nach ihrer Ankunft in der neuen Dienststelle wird die Leiche einer jungen Frau im Mühlbach entdeckt. Bald stößt Lisbeth auf einen zwielichtigen Bürgermeister, die verhaltensgestörte Sandra und ein trauriges Familiengeheimnis. Klipp klapp, das Mühlrad dreht sich, und es bleibt nicht bei einem Opfer. Dabei wollte Lisbeth alles ganz ruhig angehen …

Der neue Regionalkrimi von Mari März konserviert den alten Berliner Charme, amüsiert sich über Trends der neuen Hauptstadt, deckt Missstände und differenzierte Denkweisen bei Polizei, Rechtsmedizin und Gesellschaft auf, besinnt sich, erinnert ... und beschreibt nicht zuletzt, wie ein Mensch zum Mörder wird. Es geht um Hass, Gier, Verzweiflung, Liebe, Freundschaft … um das richtige Leben also und um ein Stückchen DDR." (Quelle: amazon)


Wenn dich die Vergangenheit einholt...


Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Ermittlerin Elisabeth Schwintowsky, die nach einem Jahr und schweren Verletzungen wieder in den Job zurückkehrt. Sie lässt sich von Berlin nach Brandenburg versetzen, um noch einmal ganz neu anzufangen.
Was damals geschehen ist, erfährt der Leser nicht von Anfang an. Die Autorin baut hier geschickt immer wieder Szenen ein, sodass man in kleinen Häppchen die Hintergründe von Lisbeths Geschichte erfährt. Natürlich kann man sich nach und nach etwas zusammenreimen, trotzdem bleibt es spannend.

Überhaupt steht in diesem Buch das Privatleben der Kriminalkommissarin im Mittelpunkt. Normalweise finde ich das immer nicht so gut, weil oft die eigentliche Krimihandlung darunter leidet. Hier war das aber nicht der Fall, im Gegenteil: Man sympathisiert von Anfang an mit der Ermittlerin, man möchte einfach mehr über sie und ihre Vergangenheit wissen. Außerdem sind die Passagen immer so in die Handlung eingebaut, dass sie fließend ineinander übergehen und es den Lesefluss nicht unterbricht. 

Der Kriminalfall an sich ist sehr authentisch geschrieben - denn es gibt auch einfach mal ein paar Tage, an denen es keine neuen Erkenntnisse gibt und die Ermittlungen auf der Stelle treten. Hier zeigt sich, wie frustrierend dieser Beruf sein kann, denn vor allem Elisabeth möchte vorankommen und den Mörder schnappen. Langweilig wurde das Buch aber trotzdem nicht.

Es geht in diesem Buch aber nicht einfach nur um einen Mord. Die Autorin stellt auch Verbrechen in den Vordergrund, die in der damaligen DDR geschehen sind - und bei denen weggesehen wurde. So wurde unter undurchsichtigen Umständen ein Vater an der Mauer erschossen und das Kind in ein Heim abgeschoben - Dinge, die ja leider auch wirklich geschehen sind. Mari März verarbeitet hier ein Thema, das sehr präsent war, über das aber bis heute nur wenig gesprochen wird. Mich hat das sehr berührt und auch zum Nachdenken angeregt. Es zeigt die Ohnmacht, die damals im Kontrollstaat der DDR herrschte, aber auch, dass manche Verbrechen nie gesühnt wurden.

Das macht das Buch für mich zu etwas ganz Besonderem. Es ist sicher kein Mainstream und für jeden Lesertyp geeignet, denn es hebt sich deutlich von normalen Regionalkrimis ab. Das Buch ist ernster, die Spannung eher subtil und auch die Aufklärung des Falles nicht so, wie man es erwartet. Denn es gibt viele überraschende Wendungen, sodass man als Leser bis zum Schluss nicht ahnt, wie das Buch endet.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen. Das Buch ist flüssig geschrieben und durch die Nähe zur Protagonistin auch sehr intensiv. Auch wenn es einen sehr ernsten Hintergrund hat, gibt es auch immer mal wieder Passagen, bei denen ich schmunzeln musste - es ist also von allem etwas dabei.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist anderes - aber genau deswegen so interessant. Wer sich für Lokalkrimis und die ehemalige DDR interessiert, ist hier auf jeden Fall richtig: 4,5 Sterne!

Welches Buch hat euch zuletzt nachdenklich zurückgelassen? Ich bin gespannt!
Eure

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